10.2.1999 Türkei im Jetzt und von vor fast zwei Jahrzehnten

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Laut Ahmet Kayas eigenen Angaben auf seiner privaten Webseite passierte am 10. Februar 1999 Folgendes:

1999 habe Ahmet Kaya auf einer Gala der Magazin Gazetecileri Derneği, auf der er als „Staatskünstler“ der Türkei ausgezeichnet werden sollte, erklärt, dass er kurdischer Abstammung sei und beabsichtige, in seinem kommenden Album ein kurdisches Lied zu singen, zu dem er auch ein Video drehen möchte. Von der türkischen Prominenz wurde er dafür ausgebuht und ausgepfiffen.

Ahmet Kaya versuchte sich mit dem folgenden Satz zu verteidigen:

Ben bin yıldır bir arada yaşayan Türk ve Kürt halklarının kardeş olduğunu, binlerce yıl daha bir arada yaşayacağına ve yaşaması gerektiğine inandığımı her yerde söyledim. „Biz bu ülkeyi böldürtmeyeceğiz de söyledim.

Ich gab überall und immer kund, dass ich daran glaube, dass Türken und Kurden tausend Jahre friedlich zusammenleben, und dass dies auch Tausende Jahre so fortfahren wird. Aber ich gab auch schon sehr lange kund: ‚Wir werden es nicht zulassen dieses Land zu trennen (teilen, spalten)‘.

Daraufhin bewarf ihn die türkische Sängerin Ebru Gündeş mit Messer und Gabel. Serdar Ortaç, der nach der Preisverleihung Ahmet Kayas einen Auftritt hatte, sang als Protest gegen den Sänger eine geänderte Version eines seiner Lieder, in die er unter anderem folgende Sätze eingebaut hatte:

Bu devirde kimse sultan değil padişah değil. Atatürk yolunda Türkiye! Bu vatan bizim, ellerin değil!

In dieser Epoche gibt es weder Sultan noch Padischah. Die Türkei ist auf dem Weg Atatürks! Dieses Vaterland gehört uns, nicht anderen!

Eine weitere türkische Prominente, Şenay Düdek, beschimpfte Ahmet Kaya als „Sünnetsiz pezevenk“ (unbeschnittener Zuhälter). Nachdem Märsche wie 10. Yıl Marşı abgespielt wurden, verließen Ahmet Kaya und seine Frau, beschützt von einigen Personen, unter Panik die Veranstaltung.

Wegen seiner Rede an dem Abend drohten ihm bis zu 12 Jahre Haft. Nach einer Kampagne der Presse gegen ihn und einigen Morddrohungen verließ er 1999 die Türkei.

Sein Leben im Exil
Sein Leben im Exil war geprägt von Depression und Einsamkeit; er war in einem Land (Frankreich), das ihm völlig fremd war. Er versprach seinen Fans, bald mit einem neuen Album zurück in die Türkei zu kommen und verfasste außerdem eine Gedichtssammlung. Beide wurden jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Im europäischen Exil trat er hauptsächlich vor kurdischem Publikum auf und gab Konzerte bei kulturellen Feierlichkeiten. Seine letzte Reportage wurde auf dem kurdischen Sender MEDYA TV ausgestrahlt. Ahmet Kaya starb 2000 in Paris an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Viele Menschen nahmen an der Beerdigung teil und der kurdische Sänger Şivan Perwer sang zu Kayas Ehren das Lied „Agiri“. Sein Grab befindet sich auf demselben Friedhof, auf dem auch Yılmaz Güney und viele andere berühmte Persönlichkeiten ruhen.

Posthum
Die türkische AKP-Regierung unternahm einige Versuche, um Ahmet Kaya zu rehabilitieren und überlegte unter anderem 2009 seinen Leichnam in die Türkei zu überführen. Die Verleihung einer hoch dekorierten Auszeichnung (Cumhurbaşkanlığı Kültür ve Sanat Büyük Ödülleri) durch den türkischen Präsidenten Abdullah Gül Ende Oktober 2013 war ein weiterer Schritt. Proteste gegen diese Verleihung kamen vor allem von der nationalistischen MHP. Parallel verkündete der Verein Magazin Gazetecileri Derneği 2012 die Stiftung eines Ahmet-Kaya-Preises.

Mein Kommentar:
Keşke olsada, bi kez olsa öpsem ellerinden. Maalesef!

Die jetzige Regierung, die verleumdet wird, wollte seinen Leichnam in die Türkei überführen. Dorthin wo er hingehört, in sein Land, seiner Erde. Unsere Großen werden ins Exil getrieben. Jetzt sprechen alle von Meinungs- und Pressefreiheit, von Demokratie und Freiheit, Aggressionen gegen Kurden.
80 Jahre wurde gegen Kurden gehetzt, systematisch unterdrückt, durften die Sprache nicht öffentlich anwenden. Ein trauriges Beispiel dafür, dass wenn man eine Lüge oft genug wiederholt, dass viele dieser Lüge folgen und ihr den Stempel der Wahrheit aufdrückt.
Er starb an gebrochenem Herzen, an einem Herzinfarkt. Die Regierung und viele (Prominente) töteten ihn. Prominente wie Ebru Gündeş, Serdar Ortaç, Menschen denen wir hier und heute im TV Aufmerksamkeit und Respekt zollen. Verkehrte Welt, vergesslicher Mensch: Jubelst dem Bösen zu, huldigst mit Ovationen. Möglicherweise hat der Gute tatsächlich nur wenig Platz auf dem bisschen Erdenfleck.

Ich mag anders sein, in diesem Fall doch gerne.
Vergiss nicht, erinnere dich um, vor allem JETZT nicht vom Wege abgebracht zu werden.

Ağlama Bebeğim!

Ein Gedanke zu „10.2.1999 Türkei im Jetzt und von vor fast zwei Jahrzehnten

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