Archiv für das Jahr: 2016

Attentat in Nizza, Frankreich zum französischen Nationalfeiertag, 14.7.

​Eigentlich ein  Französischer Nationalfeiertag Fête Nationale de la France. Wird auch gefeiert. Aber… 

Ein weißer Lkw rast in Menschenmenge, bisher 75 Tote. 

​Das war ein weißer(!) Lkw. Was wäre, wenn es ein Schwarzer wäre?
Dieser Attentat ruft jetzt alle Antiterror-Experten auf den Plan.

Viele Millionen Islam-Experten warten auf den Startschuss der Medien.

Flag-Change-Mode activated. Working…

Je suis…

Ich bereite mich vor:
„Ich, Muslim distanziere mich, wie es von meinen christlichen Glaubensfreunden erwartet wird, von den Gewalttaten. Präventiv. Sollte es aber(!) ein geistig verwirrter Attentäter gewesen sein, darf der Disclaimer als nichtig angesehen werden.
Im zutreffenden Fall, dürfen meine muslimischen Freundinnen und Freunde gerne den Text kopieren und an beliebiger Stelle einfügen.
Oder: Vielleicht waren die Opfer nur Muslime. Dann wird die „Suppe“ in der medialen Welt 2 bis 3 Tage warm gehalten.

Dürfte ich nun etwas Satire, unter Berufung der Meinungs- und Kunstfreihit, einstreuen?
Nicht?
Wie geschmackvoll, lecker wäre es wohl?
Dann verzichte ich gerne auf Verbindungen zu Pokemon und dem Anschlag!
 
Darf ich an dieser Stelle die französische Regierung beklagen? Vielleicht größer denken und die westliche Politik anprangern, dass sie es allen Terroristen/Terrororganisationen gleichtun und keine, wie sie alle auch heißen mögen, abschwächen indem sie ihnen auf europäischer Bühne ein Forum bieten. Terror bleibt nämlich Terror, egal unter welchem Deckmantel.
Ich wünsche mir von der deutschen Politik, dass sie alle Terroristen
(auch PKK) verbieten und mit gleicher Härte verfolgen.
Wer betet aber im Tumult für die Hinterbliebenen?
Was generell tun, um solche Gräueltaten erst gar nicht entstehen zu lassen?
Das irgendetwas schief läuft, braucht keinen Anwalt zur Bestätigung.

Persönlich bin ich mehr als erschüttert. Dabei entscheidet für mich(!) nicht die Anzahl/Vielzahl der Toten, auch nicht die geographische Lage des Attentats, so wie viele „Experten“ bisher kundtaten, sondern die Menschlichkeit, die in der Tat abhanden kommt.

Ich trauere, um der Wahrheit- und Gerechtigkeit willen.

Ich hoffe, dass ich nachts nicht mehr wach werde, um etwas zu trinken.
Und mich neugierig auf mein Smartphone stürze, um zu bestätigen, dass die Welt in Ordnung ist- nicht.

Hakan S.

Ramazan Bayramı, das Zuckerfest 

​Heute exakt vor einer Woche:

Sonst teile ich so etwas nicht unbedingt. Dieser Satz impliziert jedoch ein „aber“. 

Ein schöner Tag, weit ausgeholt. 

4 Wochen Fastenzeit und ich rückte mit Familie und Freunden näher zusammen. Nicht nur am Tisch, sondern auch im Geiste. 

Heute in der Moschee, knapp eine Stunde beim und nach dem gemeinsamen Gebet viele Freunde und Gleichgesinnte Schulter an Schulter getroffen- auch im Geiste.

Später dann ab zur Familie um den Ältesten und den Kleinsten ein frohes Zuckerfest zu wünschen und ihnen zu danken. 

Danach, schnell in die Schule. Und hier kommt nun meine Überraschung, für mich. Beide Bilder entstammen dem heutigen Tag. Einige Kinder haben, mit Unterstützung eines Lehrers, die Collage aus Buchstaben erstellt. Auch ein Kuchen plus Cookies wurden speziell für diesen Anlass gebacken. Außerdem wurde ich von meinen Kolleginnen herzlichst begrüßt. Nicht nur in der Schule, sondern schon in der Früh als Kurznachricht, gleich nach dem Gebet. 

Ich bin überwältigt und glücklich, dass meine nicht-muslimischen Freundinnen und Freunde so aufmerksam sind. Danke für den heutigen Tag. 

Ich wünschte, ich könnte diesen Text ins Türkische übersetzen. Gerade aber einfach zu müde. 😉

Meinen Freundinnen und Freunden:

Eid Mubarak, Bayramınız mübarek olsun, Frohes Zuckerfest. <3

Blumen für mich.

Die Blume, eine Blume.
Der Strauß, der eine Blumenstrauß.
Plötzlich.

Das passierte:
Am Freitag, unerwartet, am Aufstellplatz, um kurz vor 8 Uhr. Meine Kinder in Reih‘ und Glied, zu zweit, fast alle. Einige hüpfen zwischen den Reihen umher. Die Ordnung scheint in Gefahr. Geduld.
Einer mogelt sich ruhig zwischen einigen Kindern nach vorne in die erste Reihe, zu mir.

Er, seit einem Monat mein Schüler, aus Syrien. Hält mir mit der Linken einen Bund Blumen ins Gesicht. Mit der Rechten tippt er mich an, obwohl mein Blick ihn bereits zwischen den anderen Kindern, fixierte.
Das sanfte Tippen auf meinem Arm verstummt. Der Finger, der gerade eben noch meine Aufmerksamkeit forderte, ist nun auf mich gerichtet. „Dich“ ertönt zwischen den fast zusammengekniffenen Lippen.
„Für mich?“, frage ich unbeholfen von der Überforderung fast überrollt.
„Warum, why?“, frage ich weiter. Das arabische Warum fiel mir partout nicht ein. 🙂
„Nothing.“ war die einfache Antwort des 9 Jährigen. Grundlos, einfach so, verstand ich, bekomme ich diese Anerkennung.

Es ist schön. Nicht die Blume an sich. Sondern das Unerwartete, das Einfache, die Aufmerksamkeit, die Dankbarkeit aber auch die Irritation.
Mein Herz schlug schneller, wurde vielleicht sogar rot im Gesicht. Vergaß die Ordnung und die Reihe vor mir, spürte die Blicke auf uns gerichtet.

Ein Lächeln. Ein irritierter Blick. Meine Umarmung.
Ich merkte jedoch, ich wurde in diesem Moment, seiner wundervollen Geste definitiv nicht gerecht.

Keine Worte, keine Geste der dieser Situation im Ansatz nur gerecht werden könnte. Danke dafür, für dieses Gefühl.

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