Deshalb dürfen unsere Kinder keine Flüchtlinge besuchen: Peinliche Eltern an Leipziger Schule

Die Astrid-Lindgren-Schule in Leipzig. Einige Eltern wehrten sich gegen einen Schulbesuch ihrer Kinder in einem Flüchtlingsheim.

Ein gut gemeinter Schulausflug gerät zum Skandal: Weil eine Schule ein Flüchtlingsheim besuchen will, schlagen Eltern Alarm. Diffamierungen und unhaltbare Anschuldigungen machen die Runde.

Da hatte sich die Leipziger Astrid-Lindgren-Schule mal etwas pädagogisch Wertvolles einfallen lassen. Ein Ausflug sollte stattfinden, einer, der den Kindern zeigt, wie andere Kinder und Eltern leben, die vielleicht nicht so viel Glück gehabt haben wie sie selbst. Einer, der helfen könnte, dass Vorurteile gar nicht erst entstehen. Dafür mussten die Kinder auch gar nicht weit reisen. Der Einblick in die etwas andere Welt fand in der direkten Nachbarschaft statt, in einem Flüchtlingsheim.

Doch vielleicht ist Sachsen, ist Leipzig für solch spontane Exkursionen noch nicht bereit. Widerstand regte sich seitens der Eltern. Denn wie die „Leipziger Volkszeitung“ nun berichtete, schlossen sich Eltern zu einer Initiative zusammen, die den Besuch verhindern wollten.

Mutter wendet sich mit Anordnung an das Verwaltungsgericht

Eine Mutter wandte sich sogar mit einer einstweiligen Anordnung an das Verwaltungsgericht Leipzig, wie Verwaltungsrichterin Susanne Eichhorn-Gast im Gespräch mit N24 bestätigte. Demnach ist das Verfahren inzwischen aber übereinstimmend zwischen dem Elternteil und der Sächsischen Bildungsagentur (SBA) erledigt. „Der Besuch des Flüchtlingsheims ist wohl auf freiwilliger Basis erfolgt“, sagte Eichhorn-Gast.

Einige Eltern der Schulklasse gingen aber trotzdem auf die Barrikaden. Laut „Leipziger Volkszeitung“ gab es neun Beschwerden gegen den Besuch im Flüchtlingsheim. Die Exkursion sei nicht Bestandteil des Bildungsauftrages, argumentierten die Eltern unter anderem.

„Schulbesuche rechtlich absolut legitim“

Das sieht Roman Schulz, Sprecher der zuständigen Bildungsagentur (SBA), ganz anders. Weil die Lehrpläne auch eine Auseinandersetzung mit aktuellen Themen fordern, seien die Schulbesuche beim unbekannten Nachbarn rechtlich auch absolut legitim, sagte er.

Weshalb sich die Astrid-Lindgren-Schule auch nicht von den Eltern einschüchtern ließ und die Kinder schließlich im Rahmen von Ethik-, Religions- oder Deutschstunden durch das Flüchtlingsheim führte. In aller Freiwilligkeit versteht sich. Dabei war dies nicht das erste Mal, dass die Astrid-Lindgren-Schule den Flüchtlingen einen Besuch abstattete.

Unwahre Geschichten über ansteckende Krankheiten

Bereits Mitte Dezember vergangenen Jahres hatten interessierte Kids das Heim erkundet. Auch damals reagierten einige Mütter empört. Ein anonymer Brief geriet an die Öffentlichkeit. „Eine Begehung in einem Asylbewerberheim gehört nicht zum Lehrplan […] Wir sind eine Elterngemeinschaft, die das nicht dulden und auch nicht wollen“, heißt es darin.

Auch von TBC-erkrankten Bewohnern ist darin die Rede. „Mit unwahren Geschichten über ansteckende Krankheiten werde versucht, Panik zu schüren“, hatte Schulz damals die Anschuldigungen in der „Leipziger Internet Zeitung“ kommentiert. Weiter waren die Eltern in dem ersten Schreiben der Ansicht, dass „unsere Kinder aufgrund des ganzen Theaters schon verunsichert sind“, weshalb sie „keine weitere Unsicherheit schüren wollen“.

Fragt sich nur, wer das ganze Theater veranstaltet.

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/4172168/deshalb-duerfen-unsere-kinder-keine-fluechtlinge-besuchen.html

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