Lanz ein Dummkopf, in der Show am 16.01.2014 | u.a. mit Sahra Wagenknecht

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18. Januar 2014

"Haben Sie eigentlich Minderwertigkeitskomplexe im Bundestag?"; Quelle: Screenshot

Am vergangenen Donnerstag erreichte Markus Lanz einen neuen Tiefpunkt. Lanz versuchte auf freche und unseriöse Art und Weise Sahra Wagenknecht in die Schranken zu weisen – und scheiterte grandios. 

Die Gästekonstellation klingt erst einmal interessant: Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges, die Schauspieler Moritz Bleibtreu und Christian Kahrmann sowie Autor Philipp Möller und eben FrauWagenknecht waren eingeladen. Wie üblich versucht der Moderator Markus Lanz die Stimmung am Anfang der Sendung ein wenig aufzulockern. Er zitiert Bleibtreu “Es ist geil einen Glastisch mit einem Glasreiniger zu putzen”. Bleibtreu klärt uns auf, dass Putzen eine ganz tolle Sache sein kann, wenn es uns mal nicht gut geht.

Chauvinismus im freien Lauf

Minute 6:29. Bis jetzt wurden die Kandidaten vorgestellt und man schwadronierte über die geistige Erfüllung beim Putzen eines Glastisches. Das Publikum lachte bei diesem Thema viel und so blieb Lanz dem Putz-Thema treu. Als Lanz Wagenknecht fragte, ob sie auch gerne Glastische putzt, verneinte sie und wies darauf hin, dass sie gerne Menschen bei sich Putzen ließe, wenn es Freiwillige gäbe. Das Niveau ist äußerst niedrig, aber Lanz setzt noch einen drauf. “Ich hab’ die Erregung bei Ihnen gesehen” – Wagenknecht macht große Augen und schaut verwirrt in die Runde. Lanz realisiert, dass er sich einen dicken Fauxpas erlaubt hat, ein paar Sekunden Stille folgen. “Frau Wagenknecht, schön dass sie hier sind!”.

Minderwertigkeitskomplexe bei Lanz

“Wie läuft es im neuen Bundestag?” – Wagenknecht konstatiert, dass nach einer halben Stunde Redezeit seitens der Opposition dann nur noch Reden der GroKo folgten. Alles in allem seien die Debatten sehr langweilig – zumal der Bundestag durch die monatelangen Koalitionsverhandlungen regelrecht blockiert wurde.

Dann nimmt Lanz das Wort “Minderwertigkeitskomplexe” in den Mund. Er fragt ob Wagenknecht angesichts der 80%-Mehrheit der Regierung Minderwertigkeitskomplexe habe. Zudem sei Gysi ja nur 1,50m groß. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass Lanz mal wieder versucht Wagenknecht in die Ecke zu drängen. Ohne Argumente wohl bemerkt.

Die militante EU

Streitpunkt: Kann man von einem Fehlstart der GroKo sprechen oder nicht? Eigentlich kann man in wenigen Worten zusammenfassen, dass die Koalitionsverhandlungen unverhältnismäßig lange dauerten. Wagenknecht kritisiert dies und bekommt anschließend die Quatsch-Keule vom Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges übergebraten. “Das ist doch Quatsch!!”. Man kann ziemlich genau sehen, wie sich Jörges künstlich aufregt. Lanz sagt nickend “Da bekommen sie einen Hals, oder?” und führt fort: “Ich mag das wenn Sie einen Hals haben”. Kurzum, Wagenknecht kritisiert nüchtern eine Tatsache, bekommt dann ihr eigenes Argument(die zähen Koalitionsverhandlungen) ausführlich im Detail von Jörges dokumentiert und wird dann als Dümmling abgestempelt. Willkommen im deutschen Polit-Kabarett.

Lanz entlarvt sich selbst als Populist

Als ich die Sendung sah, traute ich meinen Augen nicht. Im öffentlichen Fernsehen, wo normalerweise die Fahne des kritischen Journalismus hochgehalten wird, ereignete sich äußerst Peinliches. Die Sendung setzt sich nach folgendem Muster fort: Wagenknecht analysierte nüchtern die politische Lage in der EU und in Deutschland. Daraufhin wurde sie selbst in die Populismusecke gestellt. Aussagen von Jörges “Sie machen hier einen Feldzug gegen Europa!!” oder Lanz offensive Kritik “Für so einen Populismus kriegen sie Applaus” führten zu einem verdrehten Weltbild. Denn es waren Lanz und Jörges selbst, die sich als Populisten entlarvten. Der Nüchternheit Wagenknecht entgegneten sie ihr mit falschen Mutmaßungen und Chauvinismus. Jörges setzte abermals noch einen drauf, indem er Wagenknecht vorwarf, dass sie wissentlich falsche politische Positionen vertrete nur um an Stimmen zu kommen.

Applaus für Wagenknecht

Nicht selten werden Wageknechts Worte mit Applaus gewürdigt. Als sie zum Beispiel kritisiert, dass die EU sich mehr auf die Aufstockung des Rüstungsetats kümmert, als um die Sozialpolitik zeigt, dass nicht wenige Zuschauer auf ihrer Seite sind. Sie sagt deutlich, dass sie keinen sogenannten Feldzug gegen Europa führe.

Lanz und Jörges haben sich bereits nach wenigen Minuten nach dem Start der Sendung verbündet. Das wird für den Zuschauer im Laufe der Sendung immer deutlicher. Doch es gibt auch ein klares Indiz dafür, dass Lanz und Jörges sich vor der Sendung beraten haben, wie sie am besten Frau Wagenknecht abkanzeln könnten. Als Jörges Wagenknecht erzählt, dass im Wahlprogramm der Linken die Rede von einer “militaristischen EU” ist, schießt Jörges auf sie ein. Als Wagenknecht sich erklärt und deutlich macht, dass sie die Formulierung verbesserungswürdig ist und sie das so nicht sagen würde, greift Lanz die Formulierung später wieder auf. Er liest den Absatz aus dem Wahlprogramm vor – man müsste schon von einem sehr großen Zufall sprechen, wenn Lanz ausgerechnet diesen Absatz vor der Sendung notierte und Jörges genau diesen Absatz in der Sendung anspricht.

Am Tellerrand des Kindergartens

Ich empfehle es jedem sich diese Sendung anzuschauen und auf die Details zu achten. Lanz leistet Manipulationsarbeit wie aus dem Bilderbuch.

Alles noch einmal kurz zusammengefasst: Lanz redet von Erregung in Wagenknechts Augen als vom Putzen gesprochen wird, redet von Minderwertigkeitskomplexen und dichtet Wagenknecht Formulierungen an, die sie nie so öffentlich gesagt hat. Schließlich erklären Lanz und Jörges Wagenknecht zur Populistin – dabei sind sie es selbst, die ohne Argumente auf sie einschießen.

Es ist erschreckend, dass im öffentlichen Fernsehen ein gewisser Markus Lanz sein Format unter das Volk bringen darf. Er verbündet sich öffentlich(indem er Positionen seines Gasts Jörges vollmundig zustimmt) mit Jörges, lässt chavinistische Sprüche ab und verdreht die Worte Wagenknechts im Mund herum.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Kritik an Lanz und seiner journalistischen Mängel nimmt zu. Eins ist sicher. Wenn dieses Format in dieser Ausgestaltung Schule macht – dann Gute Nacht. In unserer Geschichte wurden schon genug Hexen verbrannt und Propheten, die Unheil prophezeit haben, ermordet. Lasst uns diskutieren und keine Hetzjagden veranstalten.

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