Schlagwort-Archive: europa

Attentat in Nizza, Frankreich zum französischen Nationalfeiertag, 14.7.

​Eigentlich ein  Französischer Nationalfeiertag Fête Nationale de la France. Wird auch gefeiert. Aber… 

Ein weißer Lkw rast in Menschenmenge, bisher 75 Tote. 

​Das war ein weißer(!) Lkw. Was wäre, wenn es ein Schwarzer wäre?
Dieser Attentat ruft jetzt alle Antiterror-Experten auf den Plan.

Viele Millionen Islam-Experten warten auf den Startschuss der Medien.

Flag-Change-Mode activated. Working…

Je suis…

Ich bereite mich vor:
„Ich, Muslim distanziere mich, wie es von meinen christlichen Glaubensfreunden erwartet wird, von den Gewalttaten. Präventiv. Sollte es aber(!) ein geistig verwirrter Attentäter gewesen sein, darf der Disclaimer als nichtig angesehen werden.
Im zutreffenden Fall, dürfen meine muslimischen Freundinnen und Freunde gerne den Text kopieren und an beliebiger Stelle einfügen.
Oder: Vielleicht waren die Opfer nur Muslime. Dann wird die „Suppe“ in der medialen Welt 2 bis 3 Tage warm gehalten.

Dürfte ich nun etwas Satire, unter Berufung der Meinungs- und Kunstfreihit, einstreuen?
Nicht?
Wie geschmackvoll, lecker wäre es wohl?
Dann verzichte ich gerne auf Verbindungen zu Pokemon und dem Anschlag!
 
Darf ich an dieser Stelle die französische Regierung beklagen? Vielleicht größer denken und die westliche Politik anprangern, dass sie es allen Terroristen/Terrororganisationen gleichtun und keine, wie sie alle auch heißen mögen, abschwächen indem sie ihnen auf europäischer Bühne ein Forum bieten. Terror bleibt nämlich Terror, egal unter welchem Deckmantel.
Ich wünsche mir von der deutschen Politik, dass sie alle Terroristen
(auch PKK) verbieten und mit gleicher Härte verfolgen.
Wer betet aber im Tumult für die Hinterbliebenen?
Was generell tun, um solche Gräueltaten erst gar nicht entstehen zu lassen?
Das irgendetwas schief läuft, braucht keinen Anwalt zur Bestätigung.

Persönlich bin ich mehr als erschüttert. Dabei entscheidet für mich(!) nicht die Anzahl/Vielzahl der Toten, auch nicht die geographische Lage des Attentats, so wie viele „Experten“ bisher kundtaten, sondern die Menschlichkeit, die in der Tat abhanden kommt.

Ich trauere, um der Wahrheit- und Gerechtigkeit willen.

Ich hoffe, dass ich nachts nicht mehr wach werde, um etwas zu trinken.
Und mich neugierig auf mein Smartphone stürze, um zu bestätigen, dass die Welt in Ordnung ist- nicht.

Hakan S.

Ukraine: Vitali Klitschko ist ein Agent von Angela Merkel

Von: Gerhard Wisnewski

1554621_578805668879962_2075108701_n

Tja, das ist eben »europäische Kultur«: Kaum weigert sich ein Land, mit der EU ein Abkommen zu schließen, zettelt man dort einen Aufstand an. So viel zum demokratischen Verständnis der Europäischen Union und ihrem Verhältnis zur Selbstbestimmung der Völker. Sagte ich »angezettelt«? Und ob: Ausgerechnet der ukrainische Revolutionsheld Vitali Klitschko ist nichts weiter als ein Einflussagent von EU-Freundin Angela Merkel und ihrer CDU…

Die Frau, die sonst immer nur herum laviert, nimmt den Mund plötzlich ganz voll: »Wir erwarten von der ukrainischen Regierung, dass sie die demokratischen Freiheiten – insbesondere die Möglichkeit zu friedlichen Demonstrationen – sichert, dass sie Leben schützt, dass Gewaltanwendung nicht stattfindet«, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der aktuellen Unruhen in der Ukraine.

»Wir sind aufs Äußerste besorgt und empört darüber, in welcher Art und Weise Gesetze durchgepeitscht wurden, die diese Grundfreiheiten infrage stellen.« Gut gebrüllt – wie immer ist Merkel auf der Seite der unterdrückten Völker. Aber ist der Aufstand in der Ukraine wirklich ein mehr oder weniger spontaner Ausbruch des Volkszorns? Denn was die Bundeskanzlerin nicht erwähnt: Sie selbst bzw. ihre Partei hat den Aufstand in der Ukraine mit angezettelt. Ja, ausgerechnet Revolutionsheld Vitali Klitschko ist ihr Mann. Was auch der Grund dafür ist, dass er in den deutschen Staatsmedien so prominent in Szene gesetzt wird.

Es herrscht das manipulierte Volk

Doch der Reihe nach: Kaum legte die Ukraine im Herbst 2013 das Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis, um sich Russland zuzuwenden, brach in dem Land die Hölle los. Als Retourkutsche zettelte der Westen einen massiven Aufstand an, mit dem Ziel, die russlandfreundliche Regierung der Ukraine zu stürzen. Auch in der Ukraine herrscht schließlich, wie an anderer Stelle bereits gesagt, nicht das Volk, sondern das manipulierte Volk. Die Umgebung Russlands steht seit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums im Brennpunkt westlicher Umsturzbemühungen. Angeblich spontane Ausbrüche der Empörung und des Volkszorns sind das Vehikel, um nicht nur ganze Staaten, sondern auch Regionen umzukrempeln. So dienten schon die früheren »Revolutionen« in der Ukraine und anderen ehemaligen Ostblockstaaten nicht etwa dem Volk, sondern dem Bemühen, die früheren Sowjetstaaten aus dem Machtbereich Russlands herauszubrechen und an den Westen anzuschließen – einschließlich NATO und EU.

Von der geschlossenen zur »offenen« Gesellschaft…

Finanziert werden die Revolutionen von den Stiftungen westlicher Milliardäre wie etwa der Rockefellers oder des Großinvestors George Soros. Der räumte unumwunden ein: »Meine Stiftungen trugen zu den Regimewechseln in der Slowakei (1998), Kroatien (1999) und Jugoslawien (2000) bei und mobilisierten die Zivilgesellschaft, um Vladimír Mečiar, Franjo Tuđman und Slobodan Milošević aus ihren Ämtern zu vertreiben. Dies sind nur einige der wichtigsten Erfolge. Die Aufgabe meiner Stiftungen bestand darin, den Übergang von geschlossenen zu offenen Gesellschaften zu begleiten und zu fördern.« (»Die Ukraine – Kettenglied der ›bunten Revolutionen‹ einer erträumten US-Weltherrschaft«, www.zeitenschrift.com, 2007.) Soros’ Open Society Foundations gehören zu den führenden Akteuren, wenn es darum geht, fremde Regierungen mithilfe von Volksaufständen zu stürzen. Die »Stiftungen für eine Offene Gesellschaft« bekennen sich dabei unverhohlen zu ihrem Ziel, reihenweise Staaten und Regierungen umzuformen: »Die Open-Society-Stiftungen arbeiten an dem Aufbau lebendiger und toleranter Demokratien, deren Regierungen gegenüber ihren Bürgern verantwortlich sind.«

Unsummen aus dem Westen

Was so schön klingt, beinhaltet die Anmaßung und das Bekenntnis, fremde Länder und deren Regierungsformen nach Gutdünken umzugestalten. Was die Amerikaner unter »lebendiger und toleranter Demokratie« verstehen, kann man seit einigen Jahren in ihrem eigenen Land und in Vasallenstaaten wie Deutschland beobachten, wo Bürger grenzenlos bespitzelt werden. Das Ziel ist denn auch weniger Offenheit nach innen als vielmehr nach außen – für westliche Einflüsse. Die innere Offenheit ist dabei nur eine notwendige Voraussetzung, damit vom Ausland finanzierte und gesteuerte Organisationen überhaupt tätig werden und Einfluss auf die Politik nehmen können. Insofern ist »Offenheit« durchaus ehrlich gemeint, allerdings anders, als der gemeine Bürger glaubt.
Zu den Freunden der Stiftungen von Soros gehören aktuelle oder frühere Mitglieder der US-Regierung, beispielsweise die frühere Außenministerin und Vorsitzende des National Democratic Institute, Madeleine Albright. Die hatte laut dem erwähnten Bericht des kritischen Magazins Zeitenschrift am 17. Februar 2002 bei einer Veranstaltung der Soros-Stiftungen in Kiew »die in der Ukraine tätigen zahlreichen NGOs aufgefordert, gegen die herrschende Regierung Front zu machen, weil diese zu sehr mit Russland zusammenarbeite und auch die Privatisierung nicht hinreichend zugunsten westlicher Investoren betreibe«. So seien »Unsummen von Geldern« in die so genannte Orangene Revolution geflossen, die Ende 2004 »die Marionette der USA, Juschtschenko«, an die Macht gebracht habe. »Allein vonseiten der Regierung der USA« seien bis 2005 3,3 Milliarden US-Dollar in die »Orangene Revolution« gesteckt worden.

Das Nest der Revolutionäre

Die Revolutionäre sind also alles andere als Volks- oder Graswurzelbewegungen. In Wirklichkeit kommen sie von ganz oben, aus der Sphäre des »Strato-Kapitals«, das den Globus lenkt. Denn Revolutionen müssen nun mal organisiert und bezahlt werden. Schon Lenin stieg nicht in irgendwelchen Fabrikhallen zum Revolutionär auf, sondern reiste 1917 bequem im Sonderzug von der Schweiz aus nach Russland – ausgestattet mit Millionen aus dubiosen Quellen. Angeblich vom deutschen Geheimdienst, der gehofft habe, den Kriegsgegner Russland zu destabilisieren. Und auch heute sind Revolutionen im Wesentlichen Operationen ausländischer Staaten, die auf diesem Wege andere Länder beeinflussen wollen.

Die ukrainische Hauptstadt Kiew, die jetzt dauernd im Fernsehen zu sehen ist, ist das Nest ausländischer Einflussorganisationen in der Ukraine. Tonangebend sind hier die Stiftungen des »Großen Bruders« USA, wie etwa die U.S.-Ukraine Foundation (USUF). Ihr Slogan lautet »Frieden und Wohlstand aufbauen durch gemeinsame demokratische Werte«. »Die U.S.-Ukraine Foundation«, heißt es auf der Website, »ist eine gemeinnützige, nichtstaatliche Organisation, im Jahr 1991 gegründet, um die Demokratie, eine freie Marktwirtschaft und Menschenrechte für die Ukraine zu unterstützen. Die Stiftung schafft und erhält einen Informationsaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine, um Frieden und Wohlstand aufzubauen«.

Und noch einmal: So schön die »demokratischen Werte« auch sind, so nützlich sind sie auch. Denn schließlich gehören dazu auch freie Meinungsäußerung, Demonstrations- und Versammlungsrechte, die man nutzen kann, um die Gesellschaft von außen zu beeinflussen. Führende Finanziers der USUF sind amerikanische Großkonzerne, Organisationen und Stiftungen wie Coca-Cola, ExxonMobil, Raytheon sowie ultrarechte Vereine wie die Heritage Foundation oder die Washington Times der Moon-Sekte. Des Weiteren sind in Kiew unter anderem vertreten die International Renaissance Foundation (Open Society Foundations/ Soros), die Eurasia Foundation (Spender: Open Society Institute, Chevron, Western Union, APCO, ExxonMobil, Microsoft, Coca-Cola, Philip Morris u. a.), die East Europe Foundation (Spender: American Chamber of Commerce, US-Botschaft in der Ukraine, US Agency for International Development u. a.), die Foundation for Effective Governance (Partner: American Chamber of Commerce, McKinsey & Co., PricewaterhouseCoopers u. a.). Diese Stiftungen sind es, die hinter vielen angeblichen »Nicht-Regierungsorganisationen« stecken, die inzwischen die internationale Politik fast so stark mitbestimmen wie die Regierungen selbst. Vertreten sind in Kiew auch deutsche Einflussorganisationen wie die Friedrich-Naumann-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Der Held der Angela Merkel

Womit wir wieder bei Angela Merkel und ihrem großen ukrainischen Revolutionshelden Vitali Klitschko wären. Klitschko ist nichts weiter als ein nur nachlässig getarnter deutscher Einflussagent. Laut Medien lebt er seit 1996 in Deutschland und spricht fließend Deutsch. »Gemeinsam mit Bruder Wladimir betreibt er die Vermarktungsagentur Klitschko Management Group GmbH (KMG) mit Sitz in Hamburg-Ottensen«, berichtet das Neue Deutschland. 2010 gründete Klitschko, der zuvor schon bei Bürgermeisterwahlen in Kiew angetreten war, die Partei mit dem vielsagenden Namen »Schlag« (UDAR, Ukrainische demokratische Allianz für Reformen) – und zwar mithilfe von Angela Merkels CDU und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Beim Aufbau der Partei »holte sich Klitschko Rat bei der CDU«, so das ND: »Im Konrad-Adenauer-Haus ließ er sich im Schnellkurs schulen.« Aber nicht nur das: Der starke Mann Vitali Klitschko ist nichts weiter als ein Zäpfchen der deutschen Regierungschefin: »Im November 2011, beim CDU-Parteitag in Leipzig, saß er in der zweiten Reihe und ›applaudierte euphorisch für die Kanzlerin‹«, zitierte das ND die Leipziger Volkszeitung. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung selbst macht gar keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für Klitschko und damit aus ihrer Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder: 2011 wurde das Spektrum der politischen Kooperationspartner in der Ukraine erweitert, »in erster Linie durch eine vertiefte Zusammenarbeit mit der noch jungen, von Vitali Klitschko geführten Partei UDAR«, heißt es im Jahresbericht 2011. »Die Unterstützung demokratischer Kräfte in der Ukraine ist nicht einfach. Die UDAR bietet für uns die Chance, dies mit einer neuen politischen Kraft zu tun«, sagte auch der Leiter des Stiftungsbüros in Kiew, Nico Lange, unumwunden. Der Mann redet überhaupt Klartext: Das Ziel der UDAR bestehe darin, »die Ukraine so schnell wie möglich in die EU zu integrieren«. Dies wolle Klitschko »mit einer Programmpartei nach deutschem Vorbild erreichen, die vor allem auf Inhalte setzt und demokratische Reformen fördert«.

Na, bitte: Klitschko ist also auch ein Agent der EU. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wie demokratisch Reformen sein können, die aus dem Ausland organisiert werden. An Demokratie ist die EU aber ohnehin nur dann interessiert, wenn sie ihren eigenen Interessen dient. Und die bestehen nun mal darin, sich möglichst schnell möglichst viele Staaten einzuverleiben. Auch insofern wird die EU ihrem großen Vorbild immer ähnlicher: der UdSSR.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/gerhard-wisnewski/ukraine-vitali-klitschko-ist-ein-agent-von-angela-merkel.html

„Die ,nicht-integrierten‘ Türken bleiben hier“

Die Türkei hat sich vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland entwickelt – insbesondere für hochqualifizierte Türken aus Deutschland. Im Gespräch mit Julia Korbik erklärt der Migrationsforscher Yaşar Aydin, warum der Begriff brain drain dafür unangemessen ist und junge Deutsch-Türken mitnichten zwischen den Stühlen sitzen.

The European: Herr Aydin, zahlreiche türkischstämmige Hochqualifizierte ziehen zurück in die Türkei. Warum sind Sie noch hier?
Aydin: Weil ich hier groß geworden und zur Schule gegangen bin, hier arbeite – und unter anderem auch, weil ich zwei Kinder habe, eines davon im Schulalter. Generell lehne ich eine Abwanderung in die Türkei nicht ab, habe aber auch nicht unbedingt das Bedürfnis, dorthin zurückzukehren. Wenn, dann nur für ein paar Jahre.

The European: Wenn Hochqualifizierte das Land verlassen, um anderswo zu arbeiten, ist oft von „brain drain“ die Rede. Trifft diese Metapher auch auf die Abwanderung türkischstämmiger Hochqualifizierter zu?
Aydin: Nein, überhaupt nicht. Natürlich: Wenn hochqualifizierte Menschen aus Deutschland abwandern, ist das auch ein Verlust für Deutschland. Von einem „brain drain“ kann aber so pauschal nicht gesprochen werden, da spielen noch andere Aspekte eine Rolle. Man müsste zum Beispiel beweisen, dass die Abwanderung türkischstämmiger Hochqualifizierter die deutsche Wirtschaft beeinträchtigt. Das ist nicht der Fall, der Begriff „brain drain“ wird hier unpräzise gebraucht.

The European: Sie benutzen den Begriff also nicht?
Aydin: Genau. Er entspricht nicht der Realität. Das ist auch mit ein Grund gewesen, warum ich die Studie über die Abwanderung türkeistämmiger Hochqualifizierter gemacht habe: Bei diesem Thema ist es völlig überzogen, von einem „brain drain“ zu sprechen.

The European: In Ihrer Studie haben Sie stattdessen den Begriff des „Transnationalismus“ eingeführt.
Aydin: Transnationalismus oder transnationale Orientierung – so das Ergebnis meiner Studie – bedeutet, dass türkeistämmige Menschen, die in Deutschland leben, hier groß geworden sind und am gesellschaftlichen Leben partizipieren, gleichzeitig aber ihre Beziehungen zum Herkunftsland aufrecht erhalten und pflegen. Sie kommunizieren regelmäßig mit Verwandten und Freunden, konsumieren türkische Medien und verfolgen so die Ereignisse in der Türkei. Dieser Transnationalismus ist ein Grund, warum Menschen sich für eine Abwanderung in die Türkei, für ein Leben dort, entschieden haben.

The European: Sonst wären sie nicht auf die Idee gekommen, auszuwandern?
Aydin: Ja, ohne diese Beziehungen hätten sie sich nicht in der Türkei nach einem Job umgesehen und sich dort beworben. Die transnationale Orientierung war entscheidend! Sie ist ein wichtiger Faktor, wenn Hochqualifizierte aus Deutschland abwandern.

„Die Türkei ist kein Exportland von Arbeitsmigranten mehr“

The European: Wichtig sind allerdings auch die sogenannten „Pull“- und „Push“-Faktoren: Deutschland gilt als attraktiv für türkische Migranten, weil es wirtschaftliche und soziale Vorteile bietet. Die Türkei hingegen …
Aydin: … ist tatsächlich kein Auswanderungsland mehr wie noch vor 20 Jahren. Wissenschaftlichen Prognosen und der Meinung vieler Experten zufolge wird sie sich mittelfristig zu einem Netto-Einwanderungsland entwickeln. Klar, es wandern immer noch Menschen von dort aus – aber die Türkei ist kein Exportland von Arbeitsmigranten mehr, wie sie es in den 1960er- und 1970er-, teilweise auch noch in den 1980er- und 1990er-Jahren war.

The European: Was macht die Türkei heute so anziehend?
Aydin: Da gibt es eine Reihe von Faktoren. Seit der letzten türkischen Wirtschaftskrise 2001 wächst die Wirtschaft kontinuierlich. Die Direktinvestitionen steigen, was bedeutet, dass ausländische Firmen in das Land investieren, neue Firmen und neue Zweigniederlassungen gründen. Dadurch entsteht ein Bedarf nach Hochqualifizierten, den man nicht aus dem inneren Arbeitsmarkt decken kann. Das ist aber nur einer der Gründe, warum jetzt viele Menschen aus Deutschland in die Türkei auswandern, darunter auch viele ohne türkische Herkunft.

The European: Worin liegen für solche Menschen ohne Migrationshintergrund die besonderen Vorteile der Türkei?
Aydin: In der Migrationsforschung gibt es eine Erkenntnis: Hochqualifizierte Menschen bevorzugen eher Länder, wo Ungleichheit herrscht. Eine Ungleichheit der Löhne beispielsweise – wie in den USA und mittlerweile auch in der Türkei – ist attraktiv. Menschen mit niedrigerer Qualifikation hingegen bevorzugen Länder wie Deutschland, in denen größere soziale Gleichheit herrscht und die Löhne nicht so weit auseinandergehen.

The European: Das kann doch aber nicht der einzige Grund sein.
Aydin: Ein Großteil der nicht-türkeistämmigen Zuwanderer geht zum Beispiel nach Istanbul – eine Stadt, die anzieht, die cool und multikulturell ist, die viele Möglichkeiten und verschiedene Lebensstile bietet, ein Miteinander von Ost und West. Diese weichen Standortfaktoren sind wichtig.

The European: Tatsächlich verlangsamt sich die Zuwanderung nach Deutschland, die Abwanderung in die Türkei steigt. Die einzige Form der Migration aus der Türkei nach Deutschland, die in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist die zum Zweck der Ausbildung. Warum ist das deutsche System so attraktiv?
Aydin: Zunächst einmal gibt es hier eine türkische Community. Das heißt, es liegen Migrationsbrücken und Institutionen vor, auf die man zurückgreifen kann. Sie erleichtern die Migrationsentscheidung und führen vielleicht sogar zu Beschäftigungsmöglichkeiten. Außerdem ist Deutschland im Vergleich zu England und den USA – den traditionellen Zielen türkischer Studierender – günstiger.

The European: Studiengebühren gibt es doch auch in Deutschland.
Aydin: Ja, allerdings nicht für Promotionsstudenten. Was noch hinzukommt: In den letzten zehn bis 15 Jahren ist in der Türkei eine Mittelschicht entstanden, die zwar an einem Hochschulstudium im Ausland interessiert ist, sich aber das Studium in England oder denUSA nicht unbedingt leisten kann, während die ganz Reichen weiterhin diese Länder bevorzugen. Viele aus der Mittelschicht haben Verwandte oder Freunde in Deutschland, das macht Deutschland attraktiv.

„Kindererziehung ist in Deutschland stressfreier“

The European: Sie haben für Ihre Studie nicht nur mit ausgewanderten Hochqualifizierten gesprochen, sondern auch mit „Dagebliebenen“ bzw. „Noch-nicht-Ausgewanderten“. Welche Gründe sprachen für einen Verbleib in der Bundesrepublik?
Aydin: Ich habe zwar hauptsächlich mit Menschen gesprochen, für die eine Abwanderung in die Türkei infrage kommt – aber bei denen, die gesagt haben: „Nein, das kommt nicht infrage“, überwogen familiäre und berufliche Gründe.

The European: Zum Beispiel?
Aydin: Viele junge Menschen erklärten: Ich habe hier einen festen Job, bin angestellt oder sogar verbeamtet. Ein anderer Faktor sind Kinder, beziehungsweise die Ausbildung der Kinder. Leute, die Kinder im Schulalter haben, wollen lieber in Deutschland bleiben, weil in der Türkei die Kosten höher wären. Erziehung ist wichtig und viele sind der Meinung, Kindererziehung sei in Deutschland einfacher.

The European: Inwiefern?
Aydin: Es gibt hier ein ausgeprägtes Kita-System. Natürlich kann man am Kita-System in Deutschland viel kritisieren – aber in der Türkei gibt es überhaupt nichts Vergleichbares. Klar, Kitas gibt es schon, aber eben nicht so wie in Deutschland. Freizeitangebote sind in Deutschland auch ziemlich gut ausgebaut. Man hat viele Möglichkeiten, kann Fußball in einem Verein oder ein Musikinstrument in einer Musikschule spielen – und das können sich viele leisten, man muss gar nicht zur oberen Mittelschicht gehören. In der Türkei hingegen ist so etwas kaum möglich, weil es kein ausgeprägtes Vereinssystem gibt. Vieles ist teurer und die Schulbildung flächendeckend nicht so gut wie in Deutschland. Viele bevorzugen es deswegen, ihre Kinder an teure Privatschulen zu schicken. Kindererziehung in Deutschland, so sehe ich es auch, ist einfacher, stressfreier.

The European: Kommen wir zu den Hochqualifizierten, die in die Türkei zurückgekehrt sind: Sie sprechen in Ihrer Studie von einer Wechselwirkung zwischen kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und identitären Motiven. Welche Motive überwiegen?
Aydin: Berufliche. Es gab aber natürlich auch Menschen, die aus kulturellen Gründen in die Türkei abgewandert sind, die wissen wollten, wohin sie gehören. Wie es sich anfühlt, in der Türkei zu leben, die sie sonst vielleicht nur aus dem Urlaub kennen. Allerdings: Viele der Menschen, denen Kultur und Identität so wichtig waren, sind wieder zurückgekehrt, weil sie auf dem türkischen Arbeitsmarkt keine Arbeit gefunden haben.

The European: Berufliche Gründe sind letztendlich also doch ausschlaggebend.
Aydin: Die Integration in den türkischen Arbeitsmarkt ist wichtig – eine Auswanderung nützt nichts, wenn man in der Türkei nicht die gewünschte berufliche Karriere machen kann, keine berufliche Weiterentwicklung stattfindet. Die Mehrheit der von mir Befragten hat sich aber erst für eine Abwanderung in die Türkei entschieden, nachdem sie dort einen Job hatten, der Berufswunsch sich erfüllt hat.

The European: Thilo Sarrazin hat die mangelnde Integrationsbereitschaft von in Deutschland lebenden Türkinnen und Türken beklagt. Ist fehlender Wille zur Integration ein Grund, in die Türkei zurückzukehren?
Aydin: Nein. In Bezug auf die türkeistämmige Bevölkerung in Deutschland zeigen quantitative Studien, dass diejenigen mit höherer Qualifikation mobiler sind und eher in die Türkei abwandern. Die weniger Qualifizierten oder, wie Sarrazin es sagt, die „Nicht-Integrierten“, bleiben hier. In der Migrationsforschung gibt es die gegenteilige Annahme, dass die Abwanderung von Menschen ein Zeichen mangelnder Integration und die Einbürgerung ein Zeichen gelungener Integration sei.

The European: Ihre Studie kommt zu einem anderen Ergebnis?
Aydin: In der Tat haben sich viele Annahmen der Migrationsforschung in meiner Studie nicht bewahrheitet. Ein Großteil der Abgewanderten sind Menschen, die in Deutschland gut integriert waren, gute Qualifikationen und Bildungsabschlüsse sowie eine Arbeit hatten. Ich habe bewusst solche Menschen interviewt, die nicht aufgrund von Arbeitslosigkeit in die Türkei abgewandert sind.

„Je höher die Qualifikation, desto stärker die Diskriminierungserfahrung“

The European: Und welche Rolle spielt Diskriminierung?
Aydin: Es besteht kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Abwanderung. Für meine Interviewpartner war Diskriminierung und Benachteiligung durchaus ein Thema. Die meisten hatten solche Erfahrungen gemacht, aber dagegen andere Strategien entwickelt, als auszuwandern. Auswanderung mit Diskriminierung zu erklären, wäre zu vereinfachend. Denn dann bliebe die Frage offen, warum diejenigen, die in viel stärkerem Ausmaß Diskriminierungen ausgesetzt sind, hier bleiben.

The European: Welche Strategien entwickeln Hochqualifizierte denn, um Diskriminierungen im Alltag und im Berufsleben zu begegnen?
Aydin: Viele meiner Gesprächspartner haben mir erzählt, dass Diskriminierung für sie eher ein Ansporn sei, sich weiter zu qualifizieren, auf Menschen zuzugehen. In ernsten Fällen gibt es in Deutschland außerdem viele Wege, um gegen Diskriminierung anzugehen.

The European: Wie verändert sich Diskriminierung, wenn sie im Bereich der Hochqualifizierten passiert?
Aydin: Sie ist subtiler und ihre Wahrnehmung ist bewusster. Quantitative Studien belegen: je höher die Qualifikation, desto stärker auch die Diskriminierungserfahrung. Das heißt, Hochqualifizierte haben ein höheres Bewusstsein für Diskriminierung, nehmen sie eher wahr und gehen damit offen um. Die Diskriminierung an sich nimmt nicht zu, aber das Bewusstsein dafür.

The European: Welche Rolle spielen Medien bei der Diskriminierung?
Aydin: Tatsächlich fühlten sich viele der Interviewten durch die Medien diskriminiert. Viele sind, ohne dass ich sie darauf angesprochen habe, auf die Sarrazin-Debatte eingegangen. Sie fanden es nervig, wie Medien mit Migranten umgehen, vor allem mit den türkischen. Dass man sie sofort in eine Schublade steckt, sie von Vorneherein als Muslime wahrnimmt, auch wenn sie vielleicht gar nicht gläubig sind.

The European: Apropos Schubladendenken: Über junge Deutsch-Türken heißt es oft, sie würden „zwischen den Stühlen“ sitzen, also zwischen der deutschen und der türkischen Kultur.
Aydin: Ich halte nicht viel von dieser Metapher – genau wie meine Interviewpartner. Sie sind zwar türkeistämmig, haben aber auch einen deutschen Part, auf den sie nicht verzichten wollen. Viele haben mir gesagt: Wir sind in Deutschland als Menschen aus der Türkei groß geworden. In unserer primären Sozialisation spielte die türkische Kultur eine große Rolle – später dann aber auch die deutsche: in der Schule, der Berufswelt, der Öffentlichkeit. Der Großteil geht damit offensiv um, sagt: Wir gehören zu beiden Kulturen, sind von beiden geprägt. Sie haben entschieden abgelehnt, sich entweder für die eine oder die andere Kultur zu entscheiden.

The European: Man könnte sagen: Transnationalismus in Reinform.
Aydin: Ja, der Begriff ist somit nicht theoretisch deduziert, sondern etwas, worauf meine Interviewpartner großen Wert gelegt haben – ohne natürlich von „Transnationalismus“ zu sprechen. Aber sie haben hervorgehoben, dass beide Kulturen für sie wichtig sind. Viele Auswanderer konsumieren in der Türkei weiterhin deutsche Medien, lesen „Spiegel Online“ und schauen sich über Satellit deutsche Fernsehprogramme an. Sie legen außerdem großen Wert darauf, in der Familie – wenigstens zum Teil – Deutsch zu sprechen und dass ihre Kinder Deutsch lernen. Einige schicken ihre Kinder sogar zu deutschen Schulen. Insofern kann man nicht von gespaltenen Persönlichkeiten, von Personen „zwischen den Stühlen“ sprechen – sondern von Menschen, die diese kulturelle Differenz als Stärke, als Ressource wahrnehmen und sie pflegen.