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Blumen für mich.

Die Blume, eine Blume.
Der Strauß, der eine Blumenstrauß.
Plötzlich.

Das passierte:
Am Freitag, unerwartet, am Aufstellplatz, um kurz vor 8 Uhr. Meine Kinder in Reih‘ und Glied, zu zweit, fast alle. Einige hüpfen zwischen den Reihen umher. Die Ordnung scheint in Gefahr. Geduld.
Einer mogelt sich ruhig zwischen einigen Kindern nach vorne in die erste Reihe, zu mir.

Er, seit einem Monat mein Schüler, aus Syrien. Hält mir mit der Linken einen Bund Blumen ins Gesicht. Mit der Rechten tippt er mich an, obwohl mein Blick ihn bereits zwischen den anderen Kindern, fixierte.
Das sanfte Tippen auf meinem Arm verstummt. Der Finger, der gerade eben noch meine Aufmerksamkeit forderte, ist nun auf mich gerichtet. „Dich“ ertönt zwischen den fast zusammengekniffenen Lippen.
„Für mich?“, frage ich unbeholfen von der Überforderung fast überrollt.
„Warum, why?“, frage ich weiter. Das arabische Warum fiel mir partout nicht ein. 🙂
„Nothing.“ war die einfache Antwort des 9 Jährigen. Grundlos, einfach so, verstand ich, bekomme ich diese Anerkennung.

Es ist schön. Nicht die Blume an sich. Sondern das Unerwartete, das Einfache, die Aufmerksamkeit, die Dankbarkeit aber auch die Irritation.
Mein Herz schlug schneller, wurde vielleicht sogar rot im Gesicht. Vergaß die Ordnung und die Reihe vor mir, spürte die Blicke auf uns gerichtet.

Ein Lächeln. Ein irritierter Blick. Meine Umarmung.
Ich merkte jedoch, ich wurde in diesem Moment, seiner wundervollen Geste definitiv nicht gerecht.

Keine Worte, keine Geste der dieser Situation im Ansatz nur gerecht werden könnte. Danke dafür, für dieses Gefühl.

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