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Wir lieben Erdogan wie er ist

Nach dem Referendum in der Türkei kommt in Deutschland ein alter Sport wieder in Mode: der erhobene Zeigefinger. Wir sollten ihn mal stecken lassen.
Ein Kommentar von Jan Rübel

Es hätte sich als richtiggehend tragisch erwiesen, hätten die türkischen Wähler gegen die angestrebte Verfassungsänderung gestimmt. Weil sich eine knappe Mehrheit für die Pläne des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschied, welche nun die Republik verändern werden, können wir wieder erleichtert die Spaten schultern und fröhlich am Graben stochern, den wir ausheben wollen – zu den Deutschtürken, Türktürken und vor allem den Kümmeltürken.

Keine Frage: Dieses ganze Referendum ist desaströs, aber es gereicht hierzulande zum billigen Trittbrett für Ressentimentpflege, Maniküre für den rechten Zeigefinger inklusive. Aber nur für den.

Kommentar: Warum das Türkei-Referendum nicht der Untergang des Morgenlandes ist

Diese Volksabstimmung offenbarte Manipulationen und fragwürdige Wahlkommissionsentscheidungen. Der gesamte Staatsapparat und auch die von ihm kontrollierten Medien, welche eine Mehrheit des Journalismus dort überhaupt ausmachen, wurden von der Regierungspartei in die Ja-Kampagne eingespannt. Präsident Erdogan pfiff auf die vom Amt verlangte Zurückhaltung und bellte umso lauter, erklärte nicht die wahren Details seiner angestrebten Verfassungsänderung, sondern polarisierte; baute Fronten auf und labte sich am Unfrieden. Eigentlich ist er kein Staatsonkel, wie er es sich wünscht, sondern ein Schmarotzer. Ob er damit durchkommt, werden nun türkische Gerichte entscheiden.

Die Hierarchie muss stimmen

Hier möchte ich aber erstmal ausatmen. Ich bin es satt, wie schnell wir in Deutschland zu einem Volk von Türkeiexperten mutieren. Mir stinkt es, dass wir nun rasch den erhobenen Zeigefinger schwenken und den Türken erklären, wohin ihr Weg nun führen wird, geradewegs in die Hölle natürlich – nach Lesart der Türkeiantiversteher oder wie auch immer sie heißen mögen: Die Folgen des Referendums sind schlimm, aber sie bedeuten nicht automatisch den „Untergang der Republik“, wie es oft heißt. Die vielen Bewegungen in der Türkei, politisiert bis in die Haarspitzen und so unterschiedlich zueinander wie die Anzahl von Haaren auf dem Kopf groß, dürfen sich nun aus Deutschland anhören, wie man richtige Oppositionsarbeit macht, wie man sich zu Menschenrechten verhält und wie eine ordentliche Maniküre geschieht.

Apropos Menschenrechte, dass Erdogan nun vorrangig die Todesstrafe einführen will, stößt hierzulande auf tiefstes Entsetzen und zu einem Aufschrei, dass damit ja nun der letzte Fetzen Tischtuch zerschnitten sei. Todesstrafe ist eine Sackgasse für die Türkei, natürlich bedeutete sie zu Recht das Aus für jegliche Ambitionen auf eine Mitgliedschaft in der EU – aber hat man jemals ein ähnliches Geheule über eine Todesstrafe in der Türkei gehört wie über die schon immer kräftig praktizierte Todesstrafe in den USA? Messen wir bei unserer Wortwahl gegenüber unseren amerikanischen Freunden etwa mit einem anderen Maß?

Stay cool

Ich vergaß, mit den Türken ist das ja anders. Die sind anders, sollen es zumindest sein. Die sollen an ihrem Platz sein, die sollen gefälligst fremdeln, vor allem mit unseren Werten. Der Unterschied entfaltet sich konkret auf deutschen Bürgersteigen: Wenn dich in Berlin-Mitte ein Türke Türkisch sprechend darauf aufmerksam macht, dass Fahrradfahren hier nicht in Ordnung sei, dann verstehst du das als misslungene Integration. Wenn dich ein Amerikaner auf Englisch über deutsche Verkehrsregeln aufklärt, findest du das cool. Würde ich jene Messlatte, die wir Türken auferlegen, auch Amerikanern vor die Nase halten – ich müsste ihnen ein Problem mit der Integration attestieren. Tu ich natürlich nicht.

Hintergrund: So haben die Türken in Deutschland gestimmt

Lieber plädiere ich für eine allgemeine Entzäunung und die Frage, ob es nicht verständlich ist, dass eine Menge Türken hierzulande das Referendum benutzten, um einer Menge Deutscher den Stinkefinger zu zeigen, für die Bevormundung, für die Vermeidung von Augenhöhe, für dieses krampfhafte Besserwissertum. Das lindert die Folgen des Referendums kaum. Aber könnte ein Anfang sein, sich und die anderen einmal richtig verstehen zu wollen.

Quelle 

Haluk Levent

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Haluk Levent’in yaşam öyküsü var:

26 Kasım 1968 tarihinde Adana’nın Yüreğir ilçesindeki Yamaçlı mahallesinde dokuz kardeşin sekizinci olarak doğmuştur.

Fakat onun bu öyküsü değil, onunla olan benim öyküm:

Yıl 1996, Kuşadası Türkiye, mevsim yaz, yaş 13 henüz 14 değil.
Kulağıma radyodan hoş gelen müzik.
Sordum: „Bu kim, şarkının adı ne?“
Cevap „Haluk Levent“ oldu. Fakat „şarkı yeni“ denildi. Adı belirsiz.
O akşam bi heyecanla dışarı çıkıp kasetini aradım, buldum, aldım.
O andan itibaren yanımdan ayırmadığım: Haluk Levent.

„Sevenler ağlarmış“ yeni denilen şarkısı. Tamam! Ezberledim, dilime doladım.

Ondan bu yana daha çok yeniler oldu, eserler, keşfettiklerim.

20 yıl oldu olacak. İyiki eş oldun hayatıma. İyi ve kötü günlerde…

10.2.1999 Türkei im Jetzt und von vor fast zwei Jahrzehnten

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Laut Ahmet Kayas eigenen Angaben auf seiner privaten Webseite passierte am 10. Februar 1999 Folgendes:

1999 habe Ahmet Kaya auf einer Gala der Magazin Gazetecileri Derneği, auf der er als „Staatskünstler“ der Türkei ausgezeichnet werden sollte, erklärt, dass er kurdischer Abstammung sei und beabsichtige, in seinem kommenden Album ein kurdisches Lied zu singen, zu dem er auch ein Video drehen möchte. Von der türkischen Prominenz wurde er dafür ausgebuht und ausgepfiffen.

Ahmet Kaya versuchte sich mit dem folgenden Satz zu verteidigen:

Ben bin yıldır bir arada yaşayan Türk ve Kürt halklarının kardeş olduğunu, binlerce yıl daha bir arada yaşayacağına ve yaşaması gerektiğine inandığımı her yerde söyledim. „Biz bu ülkeyi böldürtmeyeceğiz de söyledim.

Ich gab überall und immer kund, dass ich daran glaube, dass Türken und Kurden tausend Jahre friedlich zusammenleben, und dass dies auch Tausende Jahre so fortfahren wird. Aber ich gab auch schon sehr lange kund: ‚Wir werden es nicht zulassen dieses Land zu trennen (teilen, spalten)‘.

Daraufhin bewarf ihn die türkische Sängerin Ebru Gündeş mit Messer und Gabel. Serdar Ortaç, der nach der Preisverleihung Ahmet Kayas einen Auftritt hatte, sang als Protest gegen den Sänger eine geänderte Version eines seiner Lieder, in die er unter anderem folgende Sätze eingebaut hatte:

Bu devirde kimse sultan değil padişah değil. Atatürk yolunda Türkiye! Bu vatan bizim, ellerin değil!

In dieser Epoche gibt es weder Sultan noch Padischah. Die Türkei ist auf dem Weg Atatürks! Dieses Vaterland gehört uns, nicht anderen!

Eine weitere türkische Prominente, Şenay Düdek, beschimpfte Ahmet Kaya als „Sünnetsiz pezevenk“ (unbeschnittener Zuhälter). Nachdem Märsche wie 10. Yıl Marşı abgespielt wurden, verließen Ahmet Kaya und seine Frau, beschützt von einigen Personen, unter Panik die Veranstaltung.

Wegen seiner Rede an dem Abend drohten ihm bis zu 12 Jahre Haft. Nach einer Kampagne der Presse gegen ihn und einigen Morddrohungen verließ er 1999 die Türkei.

Sein Leben im Exil
Sein Leben im Exil war geprägt von Depression und Einsamkeit; er war in einem Land (Frankreich), das ihm völlig fremd war. Er versprach seinen Fans, bald mit einem neuen Album zurück in die Türkei zu kommen und verfasste außerdem eine Gedichtssammlung. Beide wurden jedoch erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Im europäischen Exil trat er hauptsächlich vor kurdischem Publikum auf und gab Konzerte bei kulturellen Feierlichkeiten. Seine letzte Reportage wurde auf dem kurdischen Sender MEDYA TV ausgestrahlt. Ahmet Kaya starb 2000 in Paris an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Viele Menschen nahmen an der Beerdigung teil und der kurdische Sänger Şivan Perwer sang zu Kayas Ehren das Lied „Agiri“. Sein Grab befindet sich auf demselben Friedhof, auf dem auch Yılmaz Güney und viele andere berühmte Persönlichkeiten ruhen.

Posthum
Die türkische AKP-Regierung unternahm einige Versuche, um Ahmet Kaya zu rehabilitieren und überlegte unter anderem 2009 seinen Leichnam in die Türkei zu überführen. Die Verleihung einer hoch dekorierten Auszeichnung (Cumhurbaşkanlığı Kültür ve Sanat Büyük Ödülleri) durch den türkischen Präsidenten Abdullah Gül Ende Oktober 2013 war ein weiterer Schritt. Proteste gegen diese Verleihung kamen vor allem von der nationalistischen MHP. Parallel verkündete der Verein Magazin Gazetecileri Derneği 2012 die Stiftung eines Ahmet-Kaya-Preises.

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